Der tägliche einkauf stellt für viele haushalte einen bedeutenden kostenfaktor dar. Während discounter wie aldi und lidl seit jahrzehnten mit niedrigen preisen werben, versprechen auch klassische supermärkte regelmäßig attraktive angebote. Doch entspricht das image der besonders günstigen discounter tatsächlich der realität ? Eine detaillierte analyse verschiedener faktoren gibt aufschluss darüber, ob sich der gang zu aldi oder lidl finanziell wirklich lohnt oder ob traditionelle supermärkte mittlerweile mithalten können.
Vergleich der Preisstrategien: aldi vs lidl
Die grundlegenden unterschiede im sortiment
Beide discounter verfolgen ein reduziertes sortimentskonzept, das sich fundamental von klassischen supermärkten unterscheidet. Während ein durchschnittlicher supermarkt zwischen 10.000 und 25.000 artikel führt, beschränken sich aldi und lidl auf etwa 1.500 bis 2.000 produkte. Diese strategie ermöglicht es, die lagerhaltungskosten drastisch zu senken und bessere konditionen bei lieferanten auszuhandeln.
Die preisgestaltung beider unternehmen basiert auf ähnlichen prinzipien, weist jedoch nuancen auf:
- Aldi setzt auf extreme preisstabilität mit seltenen preisänderungen
- Lidl agiert flexibler und passt preise häufiger an marktbedingungen an
- Beide verzichten weitgehend auf hochpreisige markenartikel
- Der fokus liegt auf eigenmarken mit optimalen margen
Konkrete preisunterschiede im direktvergleich
Unabhängige verbrauchertests zeigen, dass die preisdifferenzen zwischen aldi und lidl minimal ausfallen. Bei einem standardeinkaufskorb mit 50 grundnahrungsmitteln liegen die unterschiede meist unter 5 prozent. Regionale schwankungen spielen dabei eine größere rolle als die markenwahl zwischen den beiden discountern.
| Produktkategorie | Aldi durchschnittspreis | Lidl durchschnittspreis | Differenz |
|---|---|---|---|
| Milchprodukte | 0,89 € | 0,92 € | +3% |
| Backwaren | 1,29 € | 1,25 € | -3% |
| Obst/Gemüse | 2,15 €/kg | 2,19 €/kg | +2% |
| Fleischwaren | 7,99 €/kg | 7,89 €/kg | -1% |
Diese marginalen unterschiede erklären sich durch die unterschiedlichen einkaufspolitiken und lieferantenbeziehungen, die beide unternehmen pflegen.
Die Einkaufspolitik der Discounter: ein Vorteil für reduzierte Preise ?
Verhandlungsmacht durch große abnahmemengen
Die einkaufsmacht der discounter stellt einen entscheidenden wettbewerbsvorteil dar. Durch ihre marktposition können aldi und lidl bei herstellern deutlich günstigere konditionen aushandeln als kleinere supermarktketten. Die konzentration auf wenige artikel pro kategorie verstärkt diesen effekt zusätzlich, da die bestellmengen pro produkt erheblich höher ausfallen.
Ein typischer supermarkt führt beispielsweise 20 verschiedene joghurtsorten, während ein discounter sich auf 4 bis 6 varianten beschränkt. Diese fokussierung führt zu exponentiell höheren stückzahlen pro artikel und damit zu besseren einkaufspreisen.
Direktbezug und zwischenhändlerverzicht
Beide discounter setzen verstärkt auf direktverträge mit produzenten und umgehen damit zwischenhändler. Diese strategie bietet mehrere vorteile:
- Eliminierung zusätzlicher handelsstufen und deren margen
- Bessere kontrolle über die lieferkette
- Schnellere reaktion auf marktveränderungen
- Längerfristige verträge mit stabilen preisen
- Möglichkeit zur mitgestaltung der produktentwicklung
Eigenmarkenproduktion als kostenfaktor
Die entwicklung eigener marken ermöglicht es den discountern, produkte nach ihren spezifikationen herstellen zu lassen. Verträge mit regionalen produzenten sichern dabei oft günstigere konditionen als der einkauf etablierter markenprodukte. Gleichzeitig entfällt das marketing-budget, das markenartikelhersteller in ihre preise einkalkulieren müssen. Diese einkaufsstrategie bildet die grundlage für das kosteneffiziente geschäftsmodell, das sich auch in der betriebsführung widerspiegelt.
Analyse der Betriebskosten: ein Wettbewerbsvorteil ?
Reduzierte personalkosten durch effiziente prozesse
Discounter arbeiten mit deutlich weniger personal pro quadratmeter verkaufsfläche als traditionelle supermärkte. Während ein supermarkt durchschnittlich einen mitarbeiter pro 80 quadratmeter beschäftigt, kommt ein discounter mit einem mitarbeiter pro 120 quadratmeter aus. Diese effizienz erreichen sie durch:
- Verzicht auf aufwendige produktpräsentation
- Direktes auslegen der ware aus transportpaletten
- Multifunktionale mitarbeiter ohne strikte aufgabentrennung
- Reduzierte öffnungszeiten in manchen filialen
- Automatisierte kassensysteme
Minimalistische ladengestaltung
Die spartanische ausstattung der discounter-filialen senkt sowohl investitions- als auch unterhaltungskosten erheblich. Einfache regalsysteme, funktionale beleuchtung und verzicht auf dekorative elemente reduzieren die anfangsinvestitionen um bis zu 40 prozent gegenüber klassischen supermärkten.
| Kostenfaktor | Discounter | Supermarkt | Ersparnis |
|---|---|---|---|
| Ladeneinrichtung pro m² | 180 € | 320 € | 44% |
| Energiekosten monatlich | 1.200 € | 2.100 € | 43% |
| Personalkosten monatlich | 18.000 € | 32.000 € | 44% |
Optimierte logistik und lagerhaltung
Das begrenzte sortiment ermöglicht eine hocheffiziente logistik. Zentrale verteilzentren beliefern die filialen nach einem standardisierten system, das wenig spielraum für ineffizienzen lässt. Die ware wird oft direkt auf europaletten angeliefert und ohne umpacken in den verkaufsraum geschoben. Diese prozessoptimierung spart zeit und damit geld, was sich direkt auf die endpreise auswirkt. Neben diesen strukturellen vorteilen spielt auch die produktauswahl eine zentrale rolle bei der preisgestaltung.
Einfluss von Eigenmarken auf die Preise in Supermärkten
Marktanteil und bedeutung der eigenmarken
Bei discountern machen eigenmarken über 90 prozent des sortiments aus, während klassische supermärkte einen mix aus etwa 50 prozent eigenmarken und 50 prozent herstellermarken führen. Diese unterschiedliche gewichtung hat erhebliche auswirkungen auf das preisniveau.
Eigenmarken bieten dem händler deutlich höhere margen bei gleichzeitig niedrigeren verkaufspreisen. Ein markenjoghurt kostet den supermarkt im einkauf beispielsweise 0,65 euro und wird für 1,19 euro verkauft. Ein vergleichbarer eigenmarkenjoghurt kostet im einkauf 0,35 euro und wird für 0,79 euro angeboten. Der händler verdient prozentual mehr, während der kunde weniger bezahlt.
Qualitätsstandards bei eigenmarken
Ein verbreiteter irrtum besagt, dass eigenmarken grundsätzlich qualitativ minderwertiger seien. Tatsächlich werden viele eigenmarkenprodukte in denselben fabriken hergestellt wie markenartikel. Die unterschiede liegen oft lediglich in:
- Verpackungsdesign und marketing
- Rezepturvariationen bei einzelnen zutaten
- Größeren produktionschargen für discounter
- Verzicht auf zusätzliche produktvarianten
Preisdruck auf markenhersteller
Der erfolg der eigenmarken zwingt markenhersteller zu preisanpassungen und sonderaktionen. Viele supermärkte nutzen bekannte markenartikel als lockvogelangebote, um kunden anzuziehen. Diese werden zeitweise unter oder knapp über einkaufspreis verkauft, während eigenmarken die gewinnmargen sichern. Dieses zusammenspiel führt zu einem komplexen preisgefüge, das durch gezielte aktionen zusätzlich beeinflusst wird.
Die Angebote und Sonderaktionen: discounter vs Supermärkte
Aktionsstrategien der discounter
Aldi und lidl haben ihre wöchentlichen aktionsangebote zu einem markenzeichen entwickelt. Jeden montag und donnerstag locken neue non-food-artikel zu attraktiven preisen. Diese strategie verfolgt mehrere ziele:
- Erhöhung der kundenfrequenz an bestimmten wochentagen
- Erschließung zusätzlicher umsatzpotenziale außerhalb des lebensmittelsektors
- Schaffung von kaufanreizen durch künstliche verknappung
- Positionierung als vollsortimenter trotz begrenzter dauerhafter auswahl
Bei lebensmitteln setzen discounter hingegen auf preisstabilität statt auf wechselnde aktionen. Diese kontinuität schafft vertrauen und vereinfacht die einkaufsplanung für kunden.
Angebotspolitik klassischer supermärkte
Traditionelle supermärkte arbeiten mit einem deutlich komplexeren aktionssystem. Wöchentlich wechselnde angebote, treueprogramme, coupons und mengrabatte sollen kunden binden. Diese strategie hat jedoch nachteile:
| Aspekt | Vorteil | Nachteil |
|---|---|---|
| Wechselnde aktionen | Abwechslung für kunden | Intransparente preisgestaltung |
| Treueprogramme | Kundenbindung | Verwaltungsaufwand |
| Mengrabatte | Höherer warenkorbwert | Förderung von überkonsum |
Tatsächliche ersparnis durch aktionen
Vergleichsstudien zeigen, dass die durchschnittliche ersparnis durch geschicktes nutzen von supermarktaktionen etwa 15 bis 20 prozent betragen kann. Allerdings erfordert dies zeitaufwand für planung und prospektstudium. Discounter-kunden zahlen konstant niedrige preise ohne aktive schnäppchenjagd. Die frage bleibt, ob diese preisvorteile mit qualitätseinbußen einhergehen.
Beeinflusst der Preis die Qualität der Produkte ?
Qualitätstests und vergleichsstudien
Unabhängige testinstitute wie stiftung warentest untersuchen regelmäßig produkte verschiedener händler. Die ergebnisse überraschen viele verbraucher: Discounterprodukte schneiden häufig gleichwertig oder sogar besser ab als teurere markenartikel aus supermärkten. Bei einem test von 24 olivenölen erreichten drei discounter-eigenmarken die note „gut“, während mehrere teurere markenprodukte nur mit „befriedigend“ bewertet wurden.
Herkunft und produktionsbedingungen
Die niedrigeren preise bei discountern resultieren nicht primär aus minderwertigen rohstoffen, sondern aus den bereits erläuterten strukturellen vorteilen. Viele produkte stammen von identischen herstellern wie markenartikel. Die unterschiede liegen in:
- Verzicht auf aufwendige markenkommunikation
- Standardisierten verpackungen ohne individuelle designs
- Größeren produktionsmengen mit entsprechenden skaleneffekten
- Direkteren vertriebswegen ohne zwischenhändler
Bereiche mit qualitätsunterschieden
Dennoch existieren segmente, in denen qualitätsunterschiede feststellbar sind. Besonders bei frischeprodukten wie fleisch, fisch und backwaren bieten spezialisierte supermärkte oft höherwertige alternativen. Die gründe dafür sind vielfältig:
| Produktkategorie | Qualitätsfaktor | Vorteil für |
|---|---|---|
| Fleisch/Wurst | Auswahl, Reifung, Herkunft | Spezialisierte Supermärkte |
| Backwaren | Frische, Handwerksqualität | Supermärkte mit Bäckerei |
| Obst/Gemüse | Sortenvielfalt, Bio-Angebot | Ausgeglichen |
| Trockenprodukte | Standardqualität | Ausgeglichen |
Insgesamt lässt sich festhalten, dass der niedrigere preis bei discountern nicht automatisch mit schlechterer qualität gleichzusetzen ist. Die entscheidung zwischen discounter und supermarkt sollte daher von individuellen prioritäten abhängen.
Die analyse zeigt, dass aldi und lidl durch ihre konsequente fokussierung auf kosteneffizienz tatsächlich günstigere preise bieten als die meisten klassischen supermärkte. Die einsparungen von durchschnittlich 20 bis 30 prozent resultieren aus optimierten betriebsabläufen, direkter beschaffung und reduzierten sortimenten. Qualitativ stehen discounterprodukte markenartikeln in vielen bereichen nicht nach, da sie oft von denselben herstellern stammen. Supermärkte punkten hingegen mit größerer auswahl, spezialitäten und serviceorientierten angeboten. Für preisbewusste verbraucher bleiben discounter die wirtschaftlichere wahl, während supermärkte ihre stärken bei vielfalt und frischeprodukten ausspielen können.



